
Theorie und Praxis im Integrationsprozess der Innen- und Justizpolitik:Die Europäische Union bildet seit nunmehr fast fünfzehn Jahren einen gemeinsamen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts - die Anfänge der innen- und justizpolitischen Kooperation reichen sogar weit bis in die 1970er Jahre zurück. Erst jüngst sind deshalb auch die Innen- und Justizminister der EU-Mitgliedsstaaten im niederländischen Scheveningen zu einem zweitägigen informellen Treffen zusammengekommen, um die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Innen- und Justizpolitik weiter zu intensivieren.
Glaubt man der Literatur, so handelt es sich in dem von den Eckpfeilern „Freiheit“, „Sicherheit“ und „Recht“ begrenzten Integrationsbereich der Innen- und Justizpolitik um einen „eigenständigen, von selbst laufenden Integrationsmotor, der zu einer inzident fortschreitenden Integration führen kann, die sich in Detailbereichen lautlos und ohne Übergang bewegt“ (Kraus-Vonjahr: 114 f.). Ob es wirklich der Fall ist, dass die Zusammenarbeit innen- und justizpolitischer Art auf EU-Ebene einen „Selbstläufer-Charakter“ hat und die verschiedenen Integrationsstufen von Anfang an bis zum heutigen Tag „lautlos und ohne Übergang“ vonstatten gingen, möchte ich in der vorliegenden Hausarbeit überprüfen.
Ich werde dabei so vorgehen, dass ich zunächst in Abschnitt 2 die für den Integrationsprozess der Europäischen Union oft verwendete und für meine Überprüfung der These grundlegende Theorie des Neofunktionalismus erläutern und einige Besonderheiten des Politikfeldes der Innen- und Justizpolitik darstellen.
Anschließend soll in Abschnitt 3 ein Abriss über den bisherigen Integrationsverlauf der Innen- und Rechtspolitik in der EU von ihren Anfängen bis zum Jahr 2002 gegeben werden, in dem die wichtigsten Etappen von Kooperation und Integration aufgeführt sind.
Im Abschnitt 4 sollen abschließend Theorie und Praxis miteinander verbunden werden. Ich möchte so die Grundgedanken der Theorie des Neofunktionalismus auf den Integrationsverlauf anwenden, um zu kontrollieren, ob die verschiedenen Stationen europäischer Integration im Bereich Inneres und Justiz wirklich so fließend von statten gegangen sind, wie es die These annimmt.