Die Bedeutung der Familie im Prozess der Erwerbung von Bildung

Soziales Kapital als abhängige und unabhängige Variable:

Einleitung

“No man is an island“: So sang es der Rockmusiker Jon Bon Jovi im Jahr 1990 in einer Textzeile zu seinem Lied „Santa Fe“. Gute fünf Jahre später hielt diese Floskel auch Einzug in die Wissenschaft, als der niederländische Sozialwissenschaftler Henk Flap eine seiner Arbeiten mit dieser plakativen Schlagzeile betitelte. Niemand ist also eine Insel – niemand steht in unserer Gesellschaft alleine dar – um jeden gesellen sich eine Reihe anderer Personen, die auf einer gemeinsamen Vertrauensbasis agieren, sich gegenseitig unterstützen, und so zusammen genommen ein mehr oder weniger geschlossenes Netzwerk bilden.

In der soziologischen Diskussion werden diese unsichtbaren Verbindungen zwischen Personen als „soziales Kapital“ bezeichnet. Wie ich im Folgenden noch zeigen werde, besteht über den Begriff des sozialen Kapitals aber kein grundlegender Konsens. In den vergangenen Jahren haben sich diesseits und jenseits des Atlantiks mehrere Diskussionsströmungen herausgebildet, die den Begriff des sozialen Kapitals jeweils unterschiedlich auffassen und verwenden. Dennoch gibt es aber eine Gemeinsamkeit in allen diesen Strömungen, die ich zunächst herausarbeiten und als Grundlage für meine weitere Arbeit verwenden werde.

Anschließend werde ich anhand dieser Definition der Frage nachgehen, wie sich der Besitz von sozialem Kapital auf den Bildungserwerb von Jugendlichen auswirkt. Als Grundlage dienen mir dazu mehrere Studien, in denen durch unterschiedliche Herangehensweisen versucht wurde, einen Zusammenhang zwischen sozialem Kapital und dem erfolgreichen Bildungsweg von Jugendlichen nachzuweisen.

Um diese Studien verstehen zu können, scheint es mir zunächst ratsam, jene Faktoren herauszuarbeiten, die selbst Auswirkungen auf das soziale Kapital einer Person haben. Soziales Kapital soll also zunächst als abhängige Variable benutzt werden, bevor abschließend mit ihm als unabhängiger Variable die Auswirkung auf Bildungskarrieren analysiert werden soll.

Ich beschränke mich dabei auf Studien und Veröffentlichungen zur Auswirkung von sozialem Kapital auf der Mikro-Ebene. Es stehen also Personen samt ihrer Familie und direkten Umgebung im Mittelpunkt meines Interesses und nicht die Gesellschaft als Makro-Ebene, auf die sich das individuelle soziale Kapital – wie weiter unten noch zu zeigen sein wird – auch auswirken kann.